Eine Schule für Binnengeflüchtete im Nord-Irak

Eine Schule für Binnengeflüchtete im Nord-Irak

Der gemeinnützige Verein HAND FÜR HAND e.V. wandelt im Nord-Irak eine Ruine in eine Dorfschule für geflüchtete Kinder um.

Ziel ist es, den von der Terrorherrschaft des sog. Islamischen Staates (IS) geflüchteten und zum Großteil traumatisierten Kindern während ihrer Exilzeit eine überschaubare kleine Nische von Sicherheit und Geborgenheit zu schaffen und ihnen darin Schulunterricht zu ermöglichen.

Das kurdische Wort “Helin” bedeutet Nest, und so soll die Schule heißen.

Der Koordinator des Vereins in Kurdistan Hadi mit den ersten Kindern vor dem Schulgebäude

Wieder Perspektiven eröffnen

Wenn die Kinder lesen, schreiben und rechnen lernen, wachsen ihre Chancen, später im Irak Arbeit zu finden und sich vor Ort eine eigene Existenz aufzubauen. Wir wollen die äußeren Möglichkeiten dazu schaffen. Wir wollen Lebensbedingungen verbessern und dabei helfen, dass entwurzelte Menschen in ihrem eigenen Land wieder eine Perspektive sehen können und nicht an Migration denken müssen.

Schulbildung und selbstbestimmtes Leben

Im ersten Schritt werden 100 Kinder eingeschult, die seit ihrer Flucht vor fünf Jahren vor sich hinvegetieren. Sie sollen mit Freude neuen Lebensinhalt finden und eine Grundschulbildung erhalten. Zusätzlich werden durch begleitende Projekte die Frauen des Ortes darin unterstützt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Bereits heute haben vier Menschen durch die Schule einen Job. Mit ihrem Einkommen sichern sie die Existenz ihrer Familien und haben selbst auch wieder eine Perspektive im Leben. Im Blick nach vorne hat die Schule die Chance, sich zu einem kulturellen Mittelpunkt im Dorf zu entwickeln, aus dem vieles Weitere entstehen kann.

In kurzer Zeit wurde vieles erreicht

In der Gründungszeit wurden die formalen Voraussetzungen in Deutschland und im Irak erfüllt, um das Projekt zu realisieren. Gleichzeitig wurde der richtige Ort identifiziert, es wurde eine Bauruine angemietet, wiederhergestellt und mit einheimischen Handwerkern zum Schulgebäude ausgebaut. Ein erstklassiger Koordinator und zwei Lehrer sind eingestellt, wichtige Netzwerke in Regierung, Zivilgesellschaft und Dorfbevölkerung sind geknüpft. Erste – sehr inspirierende – Erfahrungen mit den Kindern wurden im Rahmen von Projektarbeiten gemacht.

Parallel fand in Deutschland eine Spendenaktion statt, um die notwendige Grundausstattung der Schule zusammenzutragen. Diese wird mit großzügiger Hilfe des Logistikunternehmens DHL ebenfalls kostenlos in den Irak transportiert. Wir sind beeindruckt von den vielen Sachspenden. Gespendet wurden Schulmöbel, Tafeln, Regale, Sportgeräte, Fahrräder, Nähmaschinen und auch wichtiges Material wie Papier, Stifte, Farben oder Schul-Startersets, sowie ein im Dorf dringend benötigter Rollstuhl.

Kinder und Dorfbevölkerung werden eingebunden

Bereits im Sommer haben sich die ersten 44 Kinder angemeldet. Die Sehnsucht nach Schulunterricht ist überwältigend. Die Begeisterung der Kinder für die neue Schule berührt jeden Besucher. Allein schon deshalb mussten wir bei jedem Besuch der Baustelle eine provisorische Unterrichtsstunde mit einbauen. Noch war es Unterricht spielen, bevor es jetzt wirklich losgeht.

Mit den Kindern und auch der erwachsenen Dorfbevölkerung, dem Dorfvorsteher und den Dorfältesten haben wir im Gebäude regelmäßig Treffen organisiert, um vorab deren Wünsche und Erwartungen zu erfahren. Diese werden in das inhaltliche Konzept mit eingewoben.